56 Tage:
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Mitte Mai bis Mitte Juli

Ems Trader
 
Tage auf See
 
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Versägt (2007-05-16 21:13)
Woche 1 
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Mit gnadenlosen 17,8 Knoten versägen wir fast alles. Und wer mit 16,5 Knoten vor uns herzuppelt, der hat uns im Nacken. Ganz lange.

Wir kriegen sie (fast) alle.

53° 12,970’ N 4° 25,717’ E (12ft)

 
Seegang (2007-05-16 16:46)
Woche 1 
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Es schwank etwas. Derzeit. Über Funk hörte ich Windstärke 6 bis 8. Aber nicht bei uns. Da sind das sicher nur 5 oder so.

Für kleinere Pötte mit ungünstigem Kurs reicht das allerdings:

Ansonsten ist die Situation an Bord wirklich sehr entspannt. Brückenbesuch ist “einfach so” möglich. Mit Gesprächen ist das allerdings so eine Sache. Der Kapitän ist jung und wortkarg, wenn er spricht, dann ist das English ziemlich gut.

Derzeit hat ein philipinisches Besatzungsmitglied (wer was ist, werde ich noch erkunden) Brückendienst. Weniger wortkarg und (für philipinische Verhältnisse) ein nettes English.

Ich gleite ab, zurück zu Gesprächen auf der Brücke. Zumindest beim Auslaufen und die Elbe runter war der Kapitän gut beschäftigt. Weniger mit der Schiffssteuerung, das machte der Lotse. Vielmehr scheinbar mit Nachwehen der Terminpläne, Reedereikontakte, Stauerei uns so. Verwaltung. Wahrscheinlich auch schon für Antwerpen.

Jetzt gerade ist das Schiff auf Autopilot. Und um uns rum hat das Radar eine 2-Meilen-Zone mit Kollisionsdetektion aufgespannt. Der Diensthabende läuft mal hier, mal da hin, aber richtig was zu tun hat er nicht.

Ich kenne unseren Plan (und weiss auch schon, wo der Zettel hängt): morgen früh um 6 Uhr Hafenmündung Antwerpen, zirka 12 Uhr am Liegeplatz und bis… tja. Unklar. Erfährt die Besatzung erst im Hafen. Je nach dem, was an Ladung kommen wird. Was sie erst im Hafen erfahren. Und bis sie es wissen ist Landgang gesperrt.

Dannach auf nach Caucedo, Ankunft am 27.

53° 37,059’ N 5° 16,201’ E (41ft)

 
Sicherheitseinweisung (2007-05-16 13:50)
Woche 1 
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Eben fand die Sicherheitseinweisung statt. Inclusive Rundgang durch das Schiff (Kraftraum, Wäschekammer etc.)

Der Notfalllsammelplatz ist bei mir gleich umme Ecke. Rettungsweste passt 1A. Gürtel geht zu, Pfeife läßt sich pfeifen und nach etwas Suchen fand sich auch das Blinklicht. Aber im Notfall sollen wir das Ding sowieso nicht anziehen, weil wir in das geschlossene Rettungsboot gehen. Und da wäre es zu eng, wenn man die Westen trägt. Den aufblasbaren Rettungsanzug wollte der Einweiser nicht aus seinem Beutel nehmen. Shit, immer wenn es spannend wird…

Dann noch etwas Einweisung, wann wir uns wo aufhalten dürfen. Reduziert sich auf “beim An- und Ablagen nicht in den Bereich gehen”, wobei er mit einer Armbewegung den Bereich der Taue und Winschen beschrieb.

Am Ende durften wir unterschreiben, dass wir die Sicherheitseinführung verstanden haben. Und in einigen Ankreuzfeldern kundtun, dass wir Englisch sprechen. Sagen wir mal so: wir sollten noch mal drüber sprechen, was mit Englisch gemeint ist. Captainsenglish, 2nd Chief English or Bosun-English.

Und im Treppenhaus hat Mitfahrer Achim (“das ist mein drittes Mal”) noch von den Piraten hinter dem Panamakanal erzählt.

53° 53.286 N 6° 40.232 E (60ft)

 
Ablegen in Hamburg (2007-05-16 11:48)
Woche 1 
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Es ist 3 Uhr nachts, ich stehe steuerbord draussen auf der Brücke. Eine verbliebene Ladebrücke entläd noch einmal zwei Stapel Container und schichtet sie sorgsam an Land auf. Dann läd sie die selben Container, dieses Mal allerdings in anderer Reihenfolge wieder zurück in das zuvor entstandene Loch.

In der Brücke langweilen sich der Lotse und der Kapitän. Nach dem Umsetzen der Container muß nur noch eine Palette mit Twistlocks an Deck, gleichzeitig wird der hintere Ladekran seefertig verzurrt.

Dann heisst es: Leinen los.

Oder besser: relativ unspektakulär zieht hinten ein Schlepper und drückt vorne das Bugstrahlruder die Ems Trader von der Kaje weg.

Das Schiff nimmt Fahrt auf, gemächlich nähern wir uns den 6 Knoten, 8 Knoten, 10 Knoten. Mit knapp 13 Knoten bei ablaufendem Wasser geht es die Elbe runter.

Bei völliger Dunkelheit Vorbei an hell erleuchteten Hafen- und Fabrikationsanlagen. Flugzeuge stehen in hellen Hallen, Chemie- und Atomkraftwerke leuchten in die Nacht. Auf der Brücke erzählt der Lotse Geschichten. Seine Frau, seine Kinder, wo er schon überall geschippert ist, sein letzter Nachtclubbesuch. Pflichtbewusst lacht der Kapitän, ansonsten ist Schweigen angesagt. Gelegentlich wird am Radar oder an der GPS-Karte hantiert. Mal die Geschwindigkeit gedrosselt, weil eine Bohrplattform nur langsam passiert werden darf.

Weiter hinten steht sich der Steuermann die Beine in den Bauch. Je nach Notwenigkeit sagt der Lotse knapp den neuen Kurs an. “two zero five please”. Der Steuermann wiederholt und gemächlich ändert das Schiff seine Richtgung auf 205 Grad. Wenn es den Kurs mehr oder weniger erreicht hat, kommt vom Steuermann ein “heading two zero five sir” zurück, je nach Laune vom Lotsen mit einem “Thank you” oder auch nicht quittiert. Der Kapitän hat mit Schiffssteuerung nicht viel zu tun.

Um kurz vor Sieben, zehn Minuten eher als vom Lotsen angekündigt, sind wir in Brunsbüttel und die Lotsen werden gewechselt.

Und ich wechsle den Standort: ins Bett. Vier Stunden Schlaf, dann muß dieser Text raus.

54° 1.840 N 7° 42.251 E (69ft)

 


 
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